BARANYAY, András

Grafiker

(Budapest, 23. April 1938)

Zwischen 1957-1965 besucht er die Ungarische Hochschule für Bildende Künste. Er wird dort von Aurél Bernáth unterrichtet. Von 1987 bis 1991 ist er Lehrer an der Budapester Fachmittelschule für Bildende Künste und Kunstgewerbe. Von 1992 an lehrt er am Institut für Grafik an der Ungarischen Hochschule für Bildende Künste. Seit 1994 ist er Mitglied der Széchenyi Akademie für Literatur und Kunst. 1980: Hauptpreis der II. Fotobiennale in Esztergom. 1985: Auszeichnungsurkunde bei der Internationalen Biennale für Grafik in Baden-Baden. 1987: Preis für Fotokunst der Soros Stiftung. 1987, 1989, 1996: Preis der Nationalen Grafischen Biennale in Miskolc. 1988: Munkácsy-Preis. 1997: Preis der Sommerschau in Szeged. 1999: Kossuth-Preis.  

Seit Mitte der 1960er Jahre werden seine Werke ausgestellt. Die Herausbildung eines individuellen Stils indes ist auf das Ende der 1960-er Jahre zurückzudatieren: Auf der so genannten Industrieplan-Schau stellt er tondoartige (runde) Lithografien aus, auf denen unterschiedliche Ansichten einer Hand (Ausschnitte einer Hand I-IV, 1969) zu sehen sind.  

Seine frühen Grafiken sind stets figurale Lithografien. Als Sujets halten Interieurs, Porträts und Akte her, die häufig expressiv sind (Schlachthof (Vágóhíd), 1965). Ein individueller Stil kristallisiert sich also Ende der 1960er Jahre heraus. Zu Beginn der 1970-er Jahre wendet er sich von der Lithografietechnik ab. Er arbeitet von da an mit Fotos. Auch das Thema seiner Bilder ändert sich: die Handausschnitte weichen Selbstporträts, die allesamt bemalte oder mit Chemikalien bearbeitete Fotos sind. Diese Selbstporträts stellen allerdings nicht den Charakter und die Persönlichkeit des Künstlers dar, sondern das Lebensgefühl des 20. Jahrhunderts, sprich die Unpersönlichkeit. Mithin ist es kein Zufall, dass auf vielen dieser Bilder der Rücken des Künstlers abgebildet ist (Kleines Selbstporträt mit Rahmen, 1976). Auf etlichen Bildern verdeckt er das porträtierte Gesicht durch Schattierung. Auf anderen Bildern wieder vergrößert es seine Selbstporträts bis zur Unkenntlichkeit, oder er versteckt sein Konterfei hinter anderen Porträts, beispielsweise hinter jenes von Jane Morris (Selbstporträt mit Jane Morris, 1982). In die Reihe seiner „verborgenen Selbstporträts“ können auch seine Schlafbilder gezählt werden (Schlafbild, 1987).                

Ein anderes bestimmendes Thema seines Schaffens sind die Handabbildungen. Bereits 1957 fertigt er Kreidezeichnungen an, die Hände darstellen. Das Thema beschäftigt ihn auch noch in den 1990er Jahren (Hand, Lithografie, 1969; Zwei kleine Hände, bemaltes Foto, 1973; Kleine Hand mit braunem Hintergrund, Mischtechnik, 1989; Rembrandt-Hände, Foto, Buntstift, 1992).

Anfang der 1980er Jahre wendet er sich einem neuen Thema zu, dem Stillleben. Auf diesen Bildern nehmen neben den Früchten auch die Hände eine gewichtige Rolle ein (Stillleben mit Apfel, 1980; Drei Stücke, in Form von Birnen – [Eric Satie], 1982).

Obwohl Baranyay mit Fotos arbeitet, ist er gleichwohl ein Bildender Künstler: Baranyay nimmt dem Foto seine Essenz, sprich den erhaschten Augenblick und Dokumentationscharakter. Die gewissenhafte Komposition der Hände, Porträts und Stillleben, die weichen Farbtöne, die Schemenhaftigkeit, die von den Objekten ausgehende Zeitlosigkeit sind allesamt Indizien dafür, dass er ein Maler ist.


files/kepmurol/baranyay andras - kez barna hatterrel.jpgfiles/kepmurol/baranyay andras - kez.jpgfiles/kepmurol/baranyay andras - variaciok kezekre2.jpg