BEÖTHY, István

[Etienne Beothy]

Bildhauer, Theoretiker

(Heves, 2. September 1897 – Paris, 27. November 1961)

Seine Kindheit verbringt er in der nordostungarischen Kleinstadt Jászapáti. Im Jahr 1918 studiert er Architektur an der Technischen Universität. Im Jahr 1919 lernt er an der Freien Schule Rippl-Rónai in der Werkstatt von Márk Vedres. 1920-1924: Wegen seiner Ansichten wird er des Fachs Bildhauerei an der Ungarischen Hochschule für Bildende Künste verwiesen. Er absolviert die Hochschule schließlich als Schüler von János Vaszary im Fach Malerei. Zwischen 1925 und 1926 unternimmt er eine Studienreise durch Europa. Im Jahr 1926 lässt er sich in Paris nieder. 1931 ist er einer der Begründer der Gruppe Abstraction-Création. Im Jahr 1936 organisiert er die Schau Les Artistes Musicalistes, zwei Jahre später, 1938, eine Ausstellung der Pariser Bildenden Künstler in Budapest. Zur Zeit des Zweiten Weltkriegs schaltet er sich in die französische Widerstandsbewegung ein. Er ist überdies Vizepräsident der Ungarischen Unabhäbgigkeitsbewegung. Im Jahr 1946 ist er einer der Begründer des Salon des Réalités Nouvelles, 1957 ist er ein führendes Mitglied des Salons.

Im Jahr 1947 verschafft er mehreren ungarischen Künstlern in der Zeitschrift Réalités Nouvelles die Publikation ihrer Werke, im darauf folgenden Jahr organisiert er eine Pariser Ausstellung für diese Künstler. In den fünfziger Jahren richtet er sein Augenmerk auf die Bereiche Architektur, Urbanistik und Design. Er nimmt an der redaktionellen Gestaltung der Zeitschrift Forme et Vie (Form und Leben) und der Tätigkeit der Gruppe Espace (Raum) teil. Er wird zum führenden Mitglied in der Union des Artistes Modernes. Vor seinem Tod widmet er sich der Ausarbeitung eines farbtheoretischen ABC. Er wälzt Pläne, unter dem Namen „Kreis” ein Ensemble von Künstlern ins Leben zu rufen, die der abstrakten Kunst verpflichtet sind. Er trifft Vorbereitungen zur Publikation seiner gesammelten kunsttheoretischen Schriften in Ungarn. In Hinblick auf die moderne Plastik des 20. Jahrhunderts wird er der internationalen Elite zugerechnet. Seine Werke werden in einem Atemzug mit den Kunstwerken der bedeutendsten Vertreter der abstrakten Kunst genannt.

Bei der Herauskristallisierung seines Kunstverständnisses und seiner individuellen Handschrift spielt seine Mitgliedschaft in der Gruppe Abstraction-Création eine enorm wichtige Rolle. Als Sekretär der Gruppe organisiert er deren Ausstellungen. Außerdem schreibt er Abhandlungen in deren Zeitschrift. In jenen Jahren gewinnt seine Abhandlung mit dem Titel „Aranysor” endgültige Form. Miit seinen Rhythmus-Plastiken trachtet er in den dreißiger Jahren danach, einen Ausdruck für den Gleichklang von Raum-Zeit, Harmonie, Form und Rhythmus zu finden. Einerseits stehen seine wellenförmigen, spiralartig verdrehten und säulenhaften Skulpturen für Geschlossenheit, andererseits verkörpern sie Elastizität, die Freiheit suggeriert. Seine Skulpturen sind aus edlen Stoffen geformt: Mahagoni und Palisander; oder sie sind in golden leuchtende Bronze gegossen.

Seine Formensprache ist mit jener von Hans Arp und Max Bill zu vergleichen. In seinem theoretischen Schaffen nimmt sein Werk „Aranysor” eine zentrale Rolle ein. Ausgangspunkt seiner Forschungen ist das Prinzip des antiken „sectio aurea” (Goldstich), das heißt eine bestimmte Art der Aufteilung einer Entfernung. Die von ihm ausgearbeitete Goldreihe (aranysor) ist eine Theorie der Relationen, die in der Bildenden Kunst anwendbar ist. 1939 veröffentlicht er sein Werk unter den Titeln Problème de la Création und Série d'Or. Zwischen 1952-1953 erörtert er in einer Vortragsreihe an der École des Beaux-Arts den Zusammenhang zwischen den Relationen und Farben. Abgesehen von Ausstellungen in Pécs und Budapest im Jahr 1983, die sein gesamtes Lebenswerk umfassen, findet sein Schaffen wenig Beachtung in Ungarn.
(Peter Bodnár)


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