[Halász Gyula]
Fotokünstler
(Braşov (Rumänien), 9. September 1899 – Paris, 7. Juli 1984)
Zwischen 1918 und 1922 besucht er mit Unterbrechungen die Hochschulen für Bildende Künste in Budapest und Berlin. 1934: Emerson-Plakette; 1937: Daguerre-Medaille, Budapest; 1957: Médaille d’Or à la B. de photographie, Venedig; 1966: Preis der American Society of Magazine Photographers; 1974: Médaille de la ville d’Arles; Chevalier de la d’Honneur; Grand Prix national de la photographie, Paris.
Von 1924 an lebt er in Frankreich, vor allem in Paris. In den ersten Pariser Jahren plagen ihn finanzielle Sorgen. Er hält sich einerseits mit Reportagen für französische, deutsche und siebenbürgische Blätter, andererseits mit Zeichnungen über Wasser. Mit der Fotografie kommt er zunächst über seine journalistische Tätigkeit in Berührung. Zu seinen Reportagen kauft er anfangs Fotos von diversen Fotografen. Bald kommt er jedoch zu dem Schluss, dass es finanziell günstiger ist, wenn er mit eigenen Fotos seine Reportagen illustriert. Anfang der dreißiger Jahre kommt er in den Besitz seiner ersten Kamera (eine Bergheil-Voigtländer, 6×9 cm, f: 4,5; ab 1935 arbeitet er mit einer Rolleiflex). Das Handwerk der Fotografie, zumal die Kunst der Nachtaufnahme, erlernt er von André Kertész, der zu jener Zeit bereits ein etablierter Fotograf ist. Dies führt später zu Konflikten zwischen den beiden. In seinen Erinnerungen wirft Kertész seinem jungen Kollegen Plagiat und Undankbarkeit vor. Dieser lässt sich jedoch nicht beirren und veröffentlicht bereits im Jahr 1932 unter dem Namen Brassaï ein Album mit dem Titel Paris de nuit (Paris: Arts et Métiers Graphiques, Vorwort Paul Morand.) Kaum zwei Jahre als Fotograf tätig, wird Brassaï mit seinem ersten Band weltberühmt.
Diese rasche Erlangung von Weltruhm ist auch im internationalen Maßstab ein seltenes Phänomen. Die Grundlage für den rasanten Durchbruch: Brassaï verfügt auch ohne Abschluss einer Hochschule oder Universität für Bildende Künste über eine hochentwickelte „Kultur des Sehens”. Es ist ferner offensichtlich, dass Kertész’ Mentorenschaft auf fruchtbaren Boden gefallen ist.
Überdies ist davon auszugehen, dass die Paris-Bilder von Eugene Atget (1856-1927) Einfluss auf Brassaï ausüben (Paris: Jouquires, 1930). Brassaïs Fotoreihe Paris de nuit ist aber auch fototechnisch ein großer Wurf, hat doch die Nacht-Fotografie – zumal in solch einem zusammenhängenden System – kaum Vorläufer. Brassaïs Aufnahmen haftet auch Lyrisches an, das mit der feinsinnigen Abbildung sozialen Elends noch um eine dramtische Note ergänzt wird. Bei der Komposition seiner Fotos schöpft er aus der Praxis der Bildenden Kunst. Aus dem Band Paris de nuit werden zahlreiche Fotos, die Brassaï mag, weggelassen. Diese sowie jene Bilder, die er im Pariser Nachtleben aufnimmt, finden zu ihrer Zeit nicht einmal in der als weltoffen geltenden französischen Hauptstadt einen Verlag. (Die Fotos bilden Bordelle, Prostituierte, Drogenverbraucher und Päderasten ab). Zur Veröffentlichung dieser Fotos kommt es schließlich im Jahr 1976 unter dem Titel Le Paris secret des Années 30 - Das geheime Paris der dreißiger Jahre (Paris: Gallimard; London: Thames and Hudson; New York: Pantheon Books).
Brassaï
pflegt einen freundschaftlichen und fachlichen Kontakt zu Pablo Picasso. Davon
legen zwei seiner Bücher Zeugnis ab (Les Sculptures de Picasso – Die Skulpturen Picassos
– Paris: La Chêne,
1949; Conversation
avec Picasso – Gespräche mit Picasso – Paris, Gallimard, 1964).
Zwischen 1930 und 1964 arbeitet er als Fotograf auch für unterschiedliche
Presseorgane (Minotaure, Verve, Picture Post, Lilliput, Coronet, Labyrinthe,
Réalités, Plaisirs de France, Harper's Bazaar). In seiner späteren Schaffensphase wendet sich Brassaï der fotografischen
Abbildung von Graffity hin. Diese Fotos werden ebenfalls in einem Album
veröffentlicht (Graffiti, Stuttgart: Belser
Verlag, 1960; Paris: Editions du Temps, 1961).
Seine letzte Ruhe findet Brassaï auf dem Pariser Friedhof Montparnasse.
(Übersetzer: Péter Bognár)