BREUER, Marcel(-l Lajos)

Möbeldesigner, Architekt

(Pécs (Fünfkirchen), 21. Mai 1902 – New York, 1. Juli 1981)

 

1920-1924: Bauhaus, Weimar, sein Lehrer: Walter Gropius. 1962: AIA/American Institute of Architects/Award of Merit; National Honor Awards. 1965: Verdienstmedaille der New Yorker Gruppe der AIA. 1968: AIA-Goldmedaille; Ehrendoktortitel an der Technischen Universität in Budapest. Er beginnt seine Laufbahn als Leiter der Möbelwerkstatt des Bauhaus (1925-1928). Breuer ist es, der zwischen 1925 und 1926 zusammen mit seinen Mitarbeitern das neue Bauhaus-Gebäude in Dessau und die gesamte Einrichtung der Lehrerwohnungen entwirft und ausführt. Berühmt machen ihn aber vor allem seine Stuhlmodelle. Breuer wendet sich von den traditionellen Formen ab und macht Anleihen bei afrikanischen Formen sowie der Gruppe De Stijl: Wassily-Armstuhl, B32. Auf die tragfähige Funktion gebogenen Stahlrohrs basierend, entwirft er eine mutige Konsolenform (Stahlrohrstuhl). Zwischen 1928 und 1931 arbeitet er im Berliner Büro von Gropius. 1930 nimmt er an der Ausschreibung für den Entwurf des Theaters in Charkiw teil. In seinen architektonischen Werken vertritt er einen konstruktivistischen Stil, der sich dem Purismus Le Corbusiers annähert (Harnischmacherhaus, Wiesbaden, 1932). Zwischen 1932 und 1935 vagabundiert er in der Mittelmeerregion und durch Nordafrika. Im Jahr 1933 gewinnt er bei einer internationalen Ausschreibung für Aluminiummöbel in Paris mit seinen Stühlen zwei erste Preise. Im Herbst 1934 kehrt er nach Ungarn zurück. Zusammen mit József Fischer und Farkas Molnár gewinnt er den ersten Preis bei der Ausschreibung für den Entwurf der Internationalen Messe in Budapest mitsamt den wichtigsten Pavilons. Das Projekt wird nur zu einem kleinen Teil verwirklicht. Ab 1935 ist er in Großbritannien tätig. Dort arbeitet er den Idealentwurf für das Zentrum der Zukunftsstadt aus. Bei dieser Arbeit nimmt er seine späteren architektonischen Lösungen vorweg. Aus geschichteten Holzplatten entwirft er Sitzmöbel für die Firma Isokon. 1937 wird er zusammen mit Walter Gropius von der Harvard Universität an die Fakultät für Architektur eingeladen. Bis 1941 leitet er in Partnerschaft mit Gropius ein Architekturbüro, schließlich macht er sich ganz selbständig. 1946 sagt er sich von der Universität los und verlegt sein Büro nach New York. Die Materialbenutzung der örtlichen Architektur von New England übt Einfluss auf ihn aus: Bei seinen Wohnhäusern kontrastieren häufig Natursteinwände und fein verputzte Oberflächen, Holz und Beton. Die Interieurs dieser Häuser gestaltet er mit viel Feinfühligkeit aus. Im Geist des Bauhaus-Ideals will er Wohnungen zu minimalen Kosten und mit minimaler Grundfläche schaffen. Sein Ziel ist die Serienproduktion industriell hergestellter Bauelemente. Breuer arbeitet auch auf dem Gebiet der Industriearchitektur. Er entwirft auch herausragende öffentliche Gebäude: Der Entwurf des UNESCO-Hauptsitzes in Paris (1953-58) macht ihn international berühmt. Der Y-förmige Stahlbetonbau, dessen Fassade mit durchgehenden Balkonreihen aufgelockert ist, vereint die Funktionalität eines Bürogebäudes und die Kriterien institutioneller Repräsentation. Das Forschungszentrum von IBM (1960-62) beschreibt ein doppeltes Y. Aus den nach innen versetzten, schrägwandigen Fensterluken eröffnet sich nach allen Richtungen ein schöner Ausblick, wobei auch die Räume von Licht durchflutet sind. Das Whitney Museum of American Art in New York (1963-66) mit seinen konsolenförmig hervortretenden Fassadenetagen und den geometrisch umrahmten, herausragenden Fenstern sticht mit seiner strengen grauen Granitoberfläche inmitten von Bürogebäuden hervor. Vermutlich hat er, auf den Spuren von Le Corbusier wandelnd, die Möglichkeiten der bildhauerischen Formung von Stahlbeton am ehesten in den religiösen Gebäuden zu verwirklichen gewusst. Die ins Auge springenden, Aufsehen erregenden Fassaden werden von puritanen, in ihren Ausmaßen imposanten Innenräumen ergänzt (mehrere Gebäude der Saint John’s Universität sowie die St. John’s Abteikirche, 1953-68). Breuers architektonisches Lebenswerk, das traditionelle und moderne Materialien vereint, zeitgemäße industrielle Technologien anwendet und durch Dynamik und plastische Tektonik besticht, nimmt einen bedeutenden Platz in der Architektur des 20. Jahrhunderts ein.  
(Übersetzer: Péter Bognár)


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