Maler, Grafiker
(Kondoros, 27. Juni 1927 – Paris, 7. September 2007)
Csernus diplomiert im Jahr 1953 an der Ungarischen Hochschule für Bildende Künste. Er wird dort von Aurél Bernáth unterrichtet, zuvor ist Lóránt Sárkány sein Lehrer (Kunstgewerbeschule). 1952: Munkácsy-Preis bei der II. Ungarischen Ausstellung für Bildende Kunst (für das Bild mit dem Titel Orlay Petrich Soma festi Petőfit sowie sein malerisches Schaffen); 1953: Derkovits-Stipendium; 1957 ist er Mitglied der Jury der Budapester Frühjahrsausstellung; 1963: Munkácsy-Preis (für seine grafischen Illustrationen); 1967: Premio Lissone, Italien; 1986: Chevalier d’Arts et Lettres, Frankreich; 1997: Kossuth-Preis.
Von 1964 an lebt er in Paris. Sein Vater ist Schlosser. Anfangs ist er Schüler einer Handelsschule. Ab dem Jahr 1943 besucht er den grafischen Lehrgang an der Kunstgewerbeschule. Zur selben Zeit arbeitet er auch als Lithografie-Lehrling in der Posner-Druckerei, deren Werkmeister András Benkő ihm die Grundlagen des Zeichnens vermittelt. Von 1944 an besucht er die Kunstgewerbeschule. 1945 gerät er in Kriegsgefangenschaft. Nach dem Krieg setzt er seine grafische Ausbildung an der Kunstgewerbeschule bei Lóránt Sárkány fort. Zwischen 1946 und 1953 studiert er Malerei an der Ungarischen Hochschule für Bildende Künste. Sein Lehrer dort ist Aurél Bernáth (seine Diplomarbeit: A Landerer nyomdában kinyomják a 12 pontot). Seine Aufmerksamkeit widmet sich der modernen französischen Malerei, zumal dem Kubismus. In den Sommermonaten pflegt er in der Kunstkolonie in Szigliget (beim Balaton) zu arbeiten. Unter der Wirkung von André Derain malt er Landschaftsbilder. Er fokussiert sich auf Kompositionen. Zwischen 1954 und 1964 illustriert er einerseits Bücher, andererseits entwirft er Plakate. 1957 reist er nach Paris, wo er mit der französischen Malerei der Zwischenkriegszeit Bekanntschaft macht, unter anderem der so genannten automatistischen Kalligrafie. Er fühlt vor allem zu Georges Mathieu und Simon Hantai Affinität; von den Surrealisten üben insbesondere Max Ernst und Yves Tanguy auf ihn Wirkung aus. Von 1964 an lebt er in Paris. Die zwischen 1952 und 1953 entstandenen Landschaftsbilder bilden seine erste mehr oder minder einheitliche malerische Schaffensperiode: Városkép az Országházával; Sashegyi látkép; Déli pályaudvar. Zwischen 1954 und 1956 malt er das Porträt von Ferenc Juhász und die Bilder Taxiállomás, Három lektor und Újpesti Dunapart. Letztgenanntes Werk ist die letzte Station seiner Entwicklung hin zur modernen Malerei. Ab 1957 beschäftigt ihn in Paris eine Art von naturmystischem Schaffensprozess. Zwischen 1958 und 1959 sind bei der Ausstellung des Wiener Weltjugendtreffens seine Werke Saint Tropez Triptichon und Haszonvastelep zu sehen. Zu dieser Zeit fertigt er auch mehrere Monotypien an. Ab dem Jahr 1964 malt er „naturmystisch”-surrealistische Werke mit den Titeln Tengeri csata (Merresschlacht, 1961), Lehel téri piac (Markt auf dem Lehel tér, 1962), Színésznők (Schauspielerinnen) und Nádas (Schilf, 1964). In den siebziger Jahren wendet er sich der hyperrealistischen Malerei zu. Auf diesen fotohaften, namenlosen Bildern sind unter anderem eine Ansicht seines Ateliers, eine Wohnbausiedlung sowie Stillleben zu sehen. In den achtziger Jahren malt er im Stile Caravaggios „schein-akademische” Aktkompositionen, biblische Situationen - Saul I., Kékrops lányai (1985-86); József és testvérei II. (1986); József elmeséli álmát, Izsák feláldozása, Lóth (1987-88); Dávid meglepi Bethsabét a fürdőben (1988) -, Stillleben (mit Hühnern und Fischen) und Tierbilder (Pferd, Papagai, Schwäne). In den neunziger Jahren ist seine expressiv-realistische Serie unter dem Titel Szajha útja besonders imposant. Inspiriert haben ihn zu diesem Werk William Hogarths Kupferstichserie, Georg Christoph Lichtenbergs Buch und, was den malerischen Stil betrifft, der italienische Maler Gaspare Traversi. In Hinblick auf Csernus’ Stil kann von Kinoplakatmalerei, Surnaturalismus, Hyperrealismus, Neobarock, ja Sozrealismus gleichermaßen gesprochen werden.
(Übersetzer: Péter Bognár)