GYARMATHY, Tihamér

Maler

(Pécs, 8. März 1915 – Budapest, 9. Januar 2005)

 

Von 1933 an besucht er die Ungarische Hochschule für Bildende Künste. Seine Lehrer dort sind János Vaszary und László Kandó. Zwischen 1937 und 1939 unternimmt er Studienreisen nach Westeuropa. 1945: Mitglied der Europäischen Schule. 1946: Er ist einer der Begründer der „Ungarischen Gruppe abstrakter Künstler” und der „Galerie zu den vier Himmelsrichtungen”. 1963: Er nimmt in Koszalin (Polen) am I. Internationalen Plein Air Symposium teil. 1965: Er stellt eine Eisenplastik mit Maßen von 9x4,5 Metern bei der I. Raumplastik-Biennale in Elbląg (Elbing; Polen) her. Von 1971 an unternimmt er Rundreisen durch Westeuropa. Er arbeitet und stellt in Belgien aus. Im Jahr 1973 macht er eine zweimonatige Rundreise durch Afrika. 1977: Gouvernementaler Silberpokal, Neapel; 1980: Sonderpreis der Jury beim XII. Festival Cagnes-sur-Mer (Frankreich); 1985: verdienstvoller Künstler; 1987: herausragender Künstler; 1990: Kossuth-Preis; 1991: Mitglied der Ungarischen Kunstakademie; 1993: Mitglied der Széchenyi Kunstakademie.

In den Arbeiten, die in der ersten Hälfte der dreißiger Jahre entstanden sind, paart sich eine kraftvolle, strukturierte Zeichtechnik mit der Kunstrichtung des Novecento. Zur Mitte der dreißiger Jahre ist auf seinen Bildern der Einfluss des späten Schaffens von Gyula Derkovits zu spüren. Von 1937 an reist Gyarmathy durch Italien, Frankreich, Deutschland und die Schweiz. Er lernt István Beőthy, Piet Mondrian, André Breton, Hans Arp und Max Bill kennen. Diese Begegnungen legen das Fundament für ein neues Kunstverständnis, das nach der Rückkehr in die Heimat durch die Freundschaften mit Ernő Kállai und Lajos Kassák weiter gefestigt wird. Mitte der vierziger Jahre ist Gyarmathy eine der Schlüsselfiguren der ungarischen Abstraktion, die sich zu einer eigenständigen Gruppe zusammentut. In den vierziger Jahren offenbart sich für Gyarmathy in Kállais „Neuem Weltbild” ein neues Universum. Angesichts der Gleichzeitigkeit von Makro- und Mikrokosmos ist dieses „Neue Weltbild” mit den Mitteln traditioneller Raumdarstellung in der Bildenden Kunst nicht zu erschließen. Dieser imaginäre „Gedankenraum” und die darin vor sich gehenden Geschehnisse werden im Schaffen Gyarmathys fast zum ausschließlichen Thema. Abgesehen von einigen Abstechern arbeitet er ab 1946 an diesem Thema. Nach dem Verbot der Europäischen Schule und der nonfigurativen Kunst im Jahr 1948 zieht sich Gyarmathy in die „innere Emigration” zurück. Ende der vierziger, Anfang der fünfziger Jahre stellt er kleinformatige abstrakt-surrealistische Bilder und Fotogramme her. In den sechziger Jahren setzt er sich zum Ziel, einen sinnlichen Abdruck für seine Theorie zu finden. Mithilfe von geometrischen Elementen entwirft er hiezu ein neues System von Symbolen, das von lapidarer Einfachheit ist. Ende der sechziger Jahre wird es zum wichtigsten Versatzstück seines individuellen Stils. Auf Grundlage dieses Systems von Symbolen und dieser Bildsprache gelingt es ihm, ein philosophisch und visuell grundiertes Weltbild zu schaffen. Gyarmathy ist bestrebt, die Alleinherrschaft der auf der Geometrie von Euklides basierenden Renaissance-Perspektive und der visuellen Sichtweise Kants zu durchbrechen. Die Theorie von Kállais „Bioromantik” vor Augen spürt er auch dem „verborgenen Gesicht der Natur” nach. Diese Bipolarität spiegelt sich in der Doppelgesichtigkeit seiner Malerei wider. Die atektonische und organische Assoziationen hervorrufenden Formen sind nicht bloß die psychischen Abdrucke metaphysischer Beklemmung, sondern auch die Gegenpole des in Gitterstrukturen geordneten, von magnetischen Kräften erfüllten spirituellen Raums.
(Übersetzer: Péter Bognár)


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