Jenő BARCSAY
Maler, Grafiker
(Katona, 14. Januar 1900 – Budapest, 2. April 1988)
Von 1919 bis 1924 besucht er die Ungarische Hochschule für Bildende Künste. Seine Lehrer dort sind János Vaszary und Gyula Rudnay. 1938: Grafischer Preis Zichy Mihály. 1954, 1985: Kossuth-Preis. 1955: Tornyai-Medaille. 1964: Verdienstvoller Künstler. 1967: Pro Arte-Preis. 1969: Herausragender Künstler. 1970: IIe Festival International de Peinture (Internationales Malereifestival), Cagnes-sur-Mer (FR). 1983: SZOT-Preis.
Seine Werke werden zum ersten Mal im Rahmen einer Gruppenschau ausgestellt (Ernst Múzeum). 1929 weilt er das erste Mal in Szentendre. Ab 1945 ist er Professor für Anatomie an der Ungarischen Hochschule für Bildende Künste. 1962 reist er nach Paris. Bis zu seinem Tod lebt und arbeitet er in Budapest und Szentendre.
Barcsay nimmt im Stil-Konglomeratum, das etwas übertrieben als „Szentendreer Malerei“ bezeichnet wird eine zentrale Rolle ein: Bei der Fortsetzung der Tradition der Ikonenmalerei schöpft er nicht zuletzt aus dem Werk von Lajos Vajda (insbesondere was die geschlossenen Konturen der Figuren und den goldenen Hintergrund anbetrifft), bei der künstlerischen Auseinandersetzung mit den (bisweilen provinziell-barocken) Szentendreer Motiven wiederum kommen die Impulse ebenfalls von Vajda (und auch von Dezső Korniss). Barcsay greift aber auch immer wieder auf jenen Reduktionismus und Puritanismus zurück, die für die „Bildarchitekturen“ von Lajos Kassák kennzeichnend sind.
Seinen eigentümlichen Stil übernehmen etliche junge Künstler in Szentendre (László Balogh, Pál Deim). Nach 1945 ist Barcsays Schaffen zunächst von Gruppen abstrahierter Frauenfiguren und Landschaftsbildern geprägt. 1949 zeichnet er mit Kohle einen monumentalen Entwurf auf Papier: Aus den kubistischen und klotzartig zusammengefassten riesigen Frauenfiguren entstehen später seine großen Mosaike.
Als Sujet nimmt die Frauenfigur in den 1950er Jahren Eingang in sein Schaffen, zunächst in klassizistischer Gestalt. Eine andere inspirierende Quelle für Barcsay ist die stimmungsvolle Architektur der Kleinstadt Szentendre, die er auf seinen Bildern kreativ vereinfacht. Aus dieser Reduktion geht eine dem Konstruktivismus nahe stehende lyrisch-abstrakte Malerei hervor. In diesen motivischen Kontext fügt sich auch das Staffelei-Thema (ab 1957), das ohne weiteres auch als eine Art Selbstporträt interpretiert werden kann, ähnlich wie die Allegorie „Lob der Malerei“ als eine vereinfachte Allegorie des 20. Jahrhunderts.
In den 1960-er Jahren malt Barcsay zahlreiche nonfigurative, geometrische Bilder, die er später bis zum Äußersten reduziert. Wenige Jahre vor seinem Tod werden diese düsteren Schwarz-Weiß-Substrate bei einer Kammerausstellung in der Kunsthalle (Műcsarnok) ausgestellt. Neben den Mosaiken schafft Barcsay auch bedeutende Gobelin-Kompositionen. In Hinblick auf die grafischen Techniken wendet er - neben der klassischen Zeichnung - vor allem die Radierung an.
Barcsays kunstpädagogisches Schaffen ist überaus bedeutend: Sein anatomisches Fachbuch (in dem er die Präzision der Renaissance-Meister ebenso vor Augen hat wie eine wissenschaftliche Genauigkeit) und zwei weitere Bücher werden in mehrere Sprachen übersetzt und als Lehrbuch verwendet.