ATTALAI, Gábor

Gábor ATTALAI
Textilkünstler, Grafiker
(Budapest, 20. November 1934)
1958: Ungarische Hochschule für Kunstgewerbe; seine Meister: Ernő Schubert, Béla Molnár. 1970: Preis des Künstlerischen Fonds, 1. Wand- und Raumtextilbiennale, Szombathely; 1974: Contemporain-Preis der Galerie Zagreb, IV. Internationale Biennale für Zeichnung, Rijeka; IV. Internationale Druckgrafik-Biennale, Bradford (II. Preis); 1978: 5. Wand- und Raumtextil-Biennale, Savária Museum, Szombathely; 1988: Munkácsy-Preis. Sein künstlerisches Schaffen umfasst Wand- und Raumtextilkompositionen, Wohnungstextilien, Gobeline, Ölgemälde, Radierungen, Fotographien, Fotodrucke sowie die Dokumentation von Vorgängen. Zu seinem Repertoire gehören außerdem Konzeptarbeiten, Installationen und Aktionen. Er ist ein vielseitiger, „freier“ und unabhängiger Künstler, der den Rahmen seiner Techniken und jenen der Kunstgattungen, in denen er sich bewegt immer wieder sprengt. Wichtig ist ihm die Untersuchung des Verhältnisses von Kunstwerk und Theorie sowie von Kunst und Realität im Lichte der Konzeptkunst. Häufig nähert er sich seinen Themen über Wortspiele (Tamás Aknai zählt seine Werke zum „Neo-Konstruktivismus“). Er ist auch bestrebt, die Eigengesetzlichkeit des Textils hervor zu streichen. Die Farbe ist ihm gleichermaßen ein wichtiger Träger von Werten wie die Form. Mit seinen Filzplastiken ist er ein Pionier auf dem Gebiet des ungarischen Raumtextils. Bis Ende der sechziger Jahre sucht er nach einer souveränen Formensprache, die  in der ungarischen Volkskunst wurzelt (beispielsweise Kissen aus Kalotaszeg), jedoch stets mit modernen Methoden verwirklicht; so studiert er die Stickmethode bei Schafspelzmänteln („suba“). Diese Technik dient ihm als Vorlage, um Schafswolllocken an die Leinwand zu nähen.
In den siebziger Jahren wartet er mit Land-Art-Arbeiten auf (beispielsweise auf den Stufen des Budapester Donauufers: Schneezeichnung); er formt auch Plastiken aus Filz und Hanfbändern. Seine aus eingerissenen Filzteilen gefertigten Bilder stützen sich auf Grund der Gravitation auf ihr eigenes Gewicht (nicht zufällig ist das Ausgangsmotiv seiner Ausstellung in der Dorottya Straße (1972) Rembrandts Gemälde mit dem Titel Schlachthof, auf dem ein aufgehängtes Rind zu sehen ist). Seine Werke treten reliefartig aus der Wandebene heraus und wandeln sich häufig in - malerisch wirkende – Plastiken. In jenen Jahren stellt er auch rote Filzschlangen und weiße Hanffäden aus. Seine Objekte entfalten häufig eine Op-Art-Wirkung. Es geht ihm hierbei um die Zusammenhänge von Malfarbe, Farbe, Funktion und Farbsymbolik, und den Wandel in deren Verhältnis. Auf der konzeptuellen Ebene wiederum lotet er die reziproke Beziehung von Malerei, Plastik und Kunst aus. Er folgt dem Erbe von Malevitsch (monochrom) und Duchamp (ready-made). Bei seiner Ausstellung in Pécs 1978 kombiniert er gefundene Objekte (objets trouves) mit der Farbe Rot (das Rot erscheint hier gleichermaßen als Farbe und Begriff). Er untersucht nicht nur die Veränderung als Prozess, sondern auch die Bedeutungsinhalte, die in einem neuen Kontext entstehen. In den achtziger Jahren nimmt er mit seinen Kompositionen und Objekten nur noch tangential und gedanklich zu Radierung und Malerei Bezug. Was ihn interessiert, ist die Plastizität und Dichte der Kontexte; das offene Verhältnis des Werks zu seiner personalen und materialen Umgebung. Er sucht nach einer inneren Sprache von Textil und Stoff. Auch die räumliche Abbildung der Zeit beschäftigt ihn – ebenso wie das Verhältnis von Fotographie und Entfernung, und die Artikulation von Stille. Vor diesem ideellen Hintergrund stellt er so genannte Zeitobjekte, Zeitstempelungen und Zeitrelationen her.
(Übersetzer: Péter Bognár)

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