Béla CZÓBEL
Maler
Budapest, 04. September 1883–Budapest, 29. Januar 1976)
1902: Nach Abschluss der Mittelschule bringt er den Sommer in der Freien Schule in Nagybánya zu. Er kehrt bis 1906 dorthin zurück. Sein Meister: Béla Iványi Grünwald. 1902-1903: Akademie in München, seine Meister: Herterich und Diez. 1904: Paris, Julian Akademie, sein Meister: JP Laurens. 1948: Kossuth-Preis. 1958: Verdienstvoller Künstler. 1968: Herausragender Künstler. In seinen frühen Werken folgt er der Tradition der Pleinairmalerei (Sitzender Bauer, 1904). Zwischen 1906 und 1914 lebt er in Paris. Er kommt mit Vertretern des Fauvismus in Kontakt und bricht mit seinen naturalistischen Anschauungen – fortan ist er nicht mehr bestrebt, die Natur bloß abzubilden, sondern er formt sie zu einem eigengesetzlichen Bild um (beispielsweise Maler im Freien, 1906; Sitzender Mann, 1906). Czóbels Malerei ist allerdings gröber, stofflicher und instinktiver als die der französischen Fauvisten. Seine 1906 in Nagybánya ausgestellten Bilder tragen zur Spaltung der Künstlerkolonie bei. Obwohl das Grunderlebnis seiner Malerei der unmittelbare optische Eindruck bleibt, rückt er in seinen neueren Werken von der Linien- und Farbperspektive ab. Stattdessen sperrt er die kraftvollen Farben in ein dick aufgetragenes Liniennetz. Ab 1906 arbeitet er sommers in der Gesellschaft von Kernstock in Nyergesújfalu. Er gehört zu den Mitgliedern der 1907 gegründeten Gruppe MIÉNK und zu der Gruppe der Acht – diese wurde 1909 ins Leben gerufen. 1913 gewinnt er einen Preis in der jurylosen Ausstellung des Künstlerhauses (Művészház). In der Zeit des Ersten Weltkriegs - zwischen 1914-1919 - lebt er in Bergen in den Niederlanden. Auf den Bildern, die er hier malt, manifestiert sich die Ebenförmigkeit, Dekorativität und Verzerrung am radikalsten (Bub mit Ball, 1916; Der Seelsorger von Bergen, 1918). Zwischen 1919 und 1926 arbeitet er in Berlin. Er schließt hier Bekanntschaft mit den ehemaligen Mitgliedern der Brücke-Gruppe. Die Expressivität auf seinen Bildern wird jetzt noch intensiver, seine Farben lodern geradezu auf. In dieser Schaffensperiode beginnt sich ein charakteristischer individueller Stil herauszubilden (Im Atelier, 1924). 1925 kehrt er endgültig nach Paris zurück (Pariser Interieur, 1926; Maske und Mandoline, 1928). Sein Schaffen wird von da an zum Kreis des "École de Paris" gezählt. 1933 erhält er den Szinyei-Preis. In den dreißiger Jahren verbringt er die Sommer bei Ferenc Hatvany in Hatvan. Später weilt er in den Sommermonaten in Szentendre (Gartenlaube, 1948; Venus von Szentendre, 1948). 1940 heiratet er die Malerin Mária Modok. Zum ungarischen Kunstbetrieb hält er laufend Kontakt. Neben internationalen Ausstellungen nimmt er auch regelmäßig an ungarischen Schauen teil. Zwischen 1945 und 1947 ist er bei den Ausstellungen der Europäischen Schule präsent. Obwohl er zu keiner Künstlergruppe enge Bande pflegt, ist er regelmäßig an den Veranstaltungen der Künstler von Szentendre zugegen. 1975 wird ein nach ihm benanntes Museum in Szentendre eröffnet.
(Peter Bognár)

